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Pflegeberuf im Wandel

Vieles hat sich geändert, seit der Zeit meiner Krankenpflegeausbildung (1970-1973)

Bekleidungs-Standards in der Krankenpflege anno 1970

Die ersten Standards mit denen wir damals konfrontiert wurden, war die Schwesternschülerinnen-tracht, die zunächst einmal angepasst werden musste.

Nach längerer Diskussion mit der Schulleiterin, gestattete diese immerhin, dass wir Kleider und Schürzen bis maximal eine Handbreit über dem Knie kürzen durften, was uns zur Zeit der Minimode ein wichtiges Anliegen war. Eine der ersten Unterrichtsstunden wurde dann darauf verwendet, die richtige Falttechnik für die Kastenhaube zu erlernen, ohne die keine Schülerin im Dienst erscheinen durfte.

Dienstzeiten und Arbeitsbedingungen in der Pflege

Die Übergänge zwischen Freizeit und Dienstzeit waren meist fließend. Es gab Tage, da war man fast rund um die Uhr in irgendeiner Weise im Dienst. Schulgebäude und Wohnheim befanden sich in einer alten Villa, unweit des Krankenhauses, die zeitweise auch als Sanatorium gedient hatte, urgemütlich war, mit vielen Treppen und Erkern und Räumlichkeiten für jede Gelegenheit. Doch spezielles Reinigungspersonal gab es nicht, vielmehr wurde erwartet, dass wir Schülerinnen das Gebäude in Ordnung hielten, was auch selbstverständlich geschah und in der Regel sogar ganz entspannend war - wie das Foto zeigen will. Alles in allem eine Zeit, die mit ganz wenigen Ausnahmen jedem von uns in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Wenn das soziale Klima stimmt, kann man sich durchaus auch während der Arbeit regenerieren und wohl fühlen. Langeweile und Müßiggang kannten wir jedenfalls nicht. Vermutlich gab es auch Schulen, an denen ein weniger freundschaftlicher Ton herrschte und mehr Druck ausgeübt wurde. Aber im Grunde konnte sich damals kein Krankenhaus leisten, die wenigen Berufsanwärter, die trotz harter Bedingungen und magerer Bezahlung dieser Herausforderung standhielten, unfreundlich zu behandeln.

Von je her bedurfte es einer ausreichenden Portion Idealismus, um die nötige Freude für diesen Beruf aufbringen zu können. Die Bezahlung war dürftig, die Belastung hoch und die Dienstzeiten derart, dass nur Frauen, die sich mit ihrem Beruf mehr verheiratet fühlten als mit sonst jemandem, darin ausharren konnten. Männliche Pflegekräfte fand man nur sehr vereinzelt, denn in jedem anderen Beruf konnte "Mann" damals mehr verdienen, als in der Pflege. Wir Schülerinnen mussten in der Regel "geteilten Dienst" machen, d.h. von 6.00-10.00 Uhr und von 16.00-20.00 Uhr. Zusätzlich hatten wir täglich noch zwei Stunden Unterricht: entweder von 10.30 bis 12.00 oder von 14.00 bis 15.30 Uhr. Alleine diese Dienstzeiten ließen keine andere Wahl, als im Wohnheim zu wohnen. Nicht selten kam es vor, dass man auch gleich noch einen Nachtdienst anhängen musste, sei es, weil eine der regulären Nachtwachen ausgefallen war oder lebensgefährlich verletzte Unfallopfer eingeliefert worden waren, die eine 'Sitzwache' benötigten. Intensivstationen kannte man damals noch nur in größeren Kliniken. Sitzwache bedeutete, man saß die ganze Nacht über, alleine, in einem Zimmer mit ein oder zwei, selten drei, zumeist komatösen Patienten die an Beatmungsgeräten, Monitoren und diversen Schläuchen angeschlossen waren, beobachtete und notierte jede Auffälligkeit, führte die Anordnungen des Arztes aus, und funkte diesen bei bedrohlichen Reaktionen des Patienten an. Wie viele Sitzwachen ich gemacht habe, habe ich nicht gezählt - aber es waren mit die eindrücklichsten und vielleicht prägendsten Erlebnisse überhaupt. Denn wenn man als achtzehn-/neunzehnjährige eine ganze lange Nacht lang, am Bett eines fremden Menschen wacht und nichts anderes zu tun hat, als dessen Reaktionen zu beobachten - und dies auch tut - aus Angst man könnte etwas übersehen - hinterlässt das Spuren, die man nicht so leicht abschütteln kann. Meine Sensibilität für Details, zum Teil ist sie mir sicher angeboren, sie war vor allem in diesen Nächten sehr gefragt und wurde hier auch geschult. Vieles wird deshalb übersehen, weil man geschäftig in die Patientenzimmer hineinschaut oder mehr auf die Signale des Monitors achtet als auf den Menschen der daran angeschlossen ist. Wenn du nichts anderes zu tun hast, 10 Stunden lang, als einen einzigen schwerkranken Menschen zu beobachten und zu umsorgen, und dies zu einer Zeit, wo du eigentlich lieber schlafen würdest, weil du ja auch schon den ganzen Tag lang im Dienst warst, dann hast du hinterher, wenn alles gut gegangen ist, das Gefühl über die eigenen Bedürfnisse/Schwächen hinausgewachsen zu sein. Mich haben diese Nächte jedenfalls mehr geprägt als die theoretischen Unterweisungen während der Ausbildung.

Auf die heute selbstverständlich angewandten Arbeitsschutzgesetze hätte sich niemand von uns berufen, weil ja einfach auch keine Leute da waren, die im Notfall hätten herangezogen werden können. Erst seit die Bezahlung besser wurde, erhielten die Pflegeberufe den nötigen Zulauf. In den achtziger Jahren gab es einen regelrechten Bewerberboom an allen Pflegeschulen. Während meiner Zeit als stv. Schulleiterin (1979-1985) konnten wir zeitweise unter 200 Bewerbern die zwanzig besten für einen Kurs auswählen. Nun erst konnten Einrichtungen verpflichtet werden, Arbeitsschutzrechte zu garantieren. Inzwischen ist das Interesse für den Beruf, so wie die Verweildauer im Beruf wieder stark rückläufig.

Krankenpflegeexamen 1984Das Foto (1984) zeigt eine Gruppe von Prüflingen am Tag des mündlichen Krankenpflegeexamens, vor der Bekanntgabe der Ergebnisse. Drei Jahre Ausbildung liegen hinter diesen sechzehn jungen Frauen und zwei jungen Männern, in denen sie die Qualifikation zur Krankenschwester bzw. zum Krankenpfleger erlangten.

Von der Krankenschwester zur Gesundheits- und Krankenpflegein

In 2004 wurde ein neues "Krankenpflegegesetz" verabschiedet, das unter anderem eine geänderte Berufsbezeichnung vorsieht. Die Betitelung Krankenschwester/ Krankenpfleger ist somit nicht mehr zeitgemäß. Die nach diesem Gesetz ausgebildeten nennen sich Gesundheits- und Krankenpfleger/-pflegerin. mehr dazu hier . Fächer und Stundenzahl, deren Vermittlung jede "staatlich anerkannte Pflegeschule" gewährleisten muss, sind bundesweit gesetzlich geregelt. Hinsichtlich der Gestaltung und Schwerpunktlegung bestehen nach wie vor jedoch verhältnismäßig große Freiräume, die je nach den Leitbildern und Vorstellungen von Lehrern und Fachdozenten unterschiedlich gefüllt werden und sehr stark unter dem Einfluss des medizinischen Fortschritts stehen. So kommen jährlich neue medizinische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden hinzu, über deren Handhabung sowie Risiken und Nebenwirkungen auch Pflegekräfte informiert sein sollten. In welchem Umfange sich der Pflegedienst an der Vorbereitung, Durchführung und Nachkontrolle der verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen beteiligt, ist eine Frage der Übereinkunft und Organisation der betreffenden Abteilung. Wie auch immer das Verfahren im Einzelnen geregelt ist, insgesamt dominieren diese Aufgaben sowohl die Theorie als auch die Praxis der Pflege im klinischen Alltag derart, dass für ursprüngliche Pflegetätigkeiten immer weniger Raum bleibt. Tatsächlich kann nicht selten beobachtet werden, dass die medizin-technischen Aufgaben in der Ausbildung am meisten interessieren, wobei es inzwischen jedoch zusätzlicher Qualifikationen bedarf, um die sich permanent entwickelnde Medizintechnik fachgerecht bedienen zu können.

Spezialisierungen in der Pflege

Zur Zeit, als es noch nicht selbstverständlich in jedem Krankenhaus ein Notfallteam gab und eine Intensivstation, in die man einen Patienten mit einer plötzlichen Zustandsverschlechterung schnell Unterrichtsdemonstration Pflegeausbildunghinbringen konnte, wurde von examinierten Pflegekräften erwartet, dass sie ein EKG ableiten und einen venösen Zugang legen konnten und dergleichen mehr. Seit einigen Jahren fallen diese Aufgaben in den Bereich der Zusatzqualifikation zur "Fachkrankenschwester/Pfleger für Anästhesie und Intensivpflege. Außerdem wurden zusätzliche Berufe geschaffen, wie den der/des MTA (Medizin-Technischen-Assistentin/ten). Trotz dieser Entlastung des Pflegedienstes, haben Termin- und Zeitdruck auf den Normalstationen der Klinken und Krankenhäuser zugenommen, da immer mehr Patienten in immer kürzeren Zeiträumen durch immer mehr Untersuchungen geschleust werden. Der hierdurch für den Pflegedienst anfallende Organisations- und Dokumentationsaufwand hat sich vervielfacht, ohne das dies bei der Personalbemessung ausreichend berücksichtigt wurde. Für die eigentlichen Aufgaben, die Betreuung des Kranken im ganzheitlichen Verständnis, bleibt weniger Zeit denn je. So ist vielerorts leider zu beobachten, wie sich Patienten in ihrer seelischen Not eher an eine mütterlich wirkende Reinigungskraft oder die ehrenamtlichen "gründen Damen" wenden, als an die geschäftig rein- und rauslaufenden Krankenschwestern. Vor allem in den Kliniken und großen Krankenhäusern hat sich eine Entwicklung vollzogen, die Krankenschwestern inzwischen ernsthaft über eine neue Berufsbezeichnung nachdenken lässt. Tatsächlich steht der Pflegedienst in diesen Einrichtungen mehr im Dienst der Medizin und der Krankenhausorganisation als in dem des Kranken. Dem Kranken wie eine Schwester begegnen, in der ursprünglichen Tradition dieses Berufes, ist zu einer Ausnahmeerscheinung im Krankenhausalltag geworden, dem unter den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen beim besten Willen kaum in einem Falle entsprochen werden kann.

Kinderkrankenpflege als Beruf kaum 50 Jahre alt

Eine spezielle Ausbildung zur Kinderkrankenschwester zum Kinderkrankenpfleger gibt es erst seit Ende der sechziger Jahre. Hierdurch wurde der Situation Carlotta 2003Rechnung getragen, dass man Kinder nicht wie kleine Erwachsene behandeln sollte, sondern dem jeweiligen seelisch-geistigen Entwicklungsstadium entsprechend "ansprechen" muss, soll die Behandlung Erfolg haben. Pädagogik und Psychologie hatten in dieser Ausbildung von Anfang an einen größeren Stellenwert. Obschon auch in den Kinderkliniken sehr viel Medizintechnik Einzug gehalten hat, verstehen sich die Schwestern dort überwiegend immer noch als Begleiterinnen der kleinen Kranken und ihrer Angehörigen. Man nimmt Anteil an deren Not und nimmt sich auch mehr Zeit für persönliche Belange. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Kinderärzte ein ganz anderes Auftreten haben, als andere. Einem Kind kann man nicht einfach eine Injektion setzen, ohne es mental darauf vorzubereiten und ihm die Angst zu nehmen, es würde sonst die ganze Station zusammen schreien. Auch die Eltern wollen in der Regel über jeden geplanten Schritt genau informiert sein, oft mehr noch, als wären sie die Patienten. Denn sie haben Angst um ihr Kind, beobachten darum jede Veränderung und lassen sich nicht so leicht abwimmeln, wenn sie Fragen haben und sich nicht auf Anhieb jemand finden lässt, der Zeit hat diese zu beantworten. So herrscht auf Kinderstationen und in Kinderkliniken allgemein ein wesentlich herzlicheres und persönlicheres Klima - trotz Medizintechnik. Es wäre eine Verkennung der Zusammenhänge, wollte man der Medizintechnik die Schuld daran geben, wenn der Pflegedienst mehr und mehr zum Handlangerdienst der Medizin degradiert.

Altenpflege ein Beruf mit Zukunft

Die veränderten demografischen Strukturen sowie die gesellschafts- und gesundheitspolitische Weichenstellung, führten zu einem starken Anstieg pflegeabhängiger alter Menschen. Dabei erhöhte sich nicht alleine die Anzahl, sondern ebenso die Dauer der Pflegeabhängigkeit erheblich. Noch in den siebziger Jahren wurden die meisten zu Hause oder im Altenheim betreut bis es nicht mehr ging. Dann kamen sie ins Krankenhaus, wo sie mitunter Wochen, ja sogar Monate verbrachten, bevor sie entweder wieder entlassen werden konnten oder verstorben sind. Kontinuierlich stieg die Nachfrage nach Altenpflegeeinrichtungen, da die Krankenhausbetten zu teuer und die inneren Abteilungen regelmäßig überfüllt waren. Wie Pilze sind diese in der Folgezeit aus dem Boden gesprossen. Damit zugleich wurden natürlich Pflegekräfte gesucht. Für Krankenschwestern nach einer längeren Erziehungspause tat sich hier ein neues Betätigungsfeld auf. Auch einjährig ausgebildete Schwesternhelferinnen/Pflegehelfer, wechselten häufig vom Krankenhaus in ein Pflegeheim. Jedoch da dies weder quantitativ noch qualitativ ausreichte, entstand bald schon ein eigener Berufszweig, zunächst mit einer zweijährigen Ausbildung, die inzwischen auf drei Jahre erweitert und damit formal der Kranken- und Kinderkrankenpflege gleichgestellt worden ist. Allmählich verbesserte sich auch das Image von Pflegekräften in den Altenheimen, die nicht zuletzt deshalb häufig von oben herab angesehen wurden, weil sie vor allem Grundpflege, sprich "Drecksarbeit" verrichten mussten, während examinierte Pflegekräfte in den Krankenhäusern schon deshalb ein höheres Ansehen hatten, da diese mit Spritzen, Kathetern, Sonden, Drainagen, Infusionen und komplizierten Gerätschaften umgehen konnten. Tatsächlich kommt die Altenpflege dem ursprünglichen Berufsbild der Pflege jedoch sehr viel näher als die Pflegedienste in den Krankenhäusern - wenngleich auch hier vieles im argen liegt, und sich die Lage momentan wieder zuspitzt. Denn die Kluft zwischen dem was diesen Pflegeberuf interessant macht und der scheinbar unentrinnbaren Tretmühle erlebter Praxis, klafft zunehmend wieder auseinander.

Ambulante Pflege: Von der Gemeindeschwester zur Sachleistungserbringerin

Von der Gemeindeschwester, die noch mit dem Fahrrad von Ort zu Ort fuhr bis zu den ambulanten Pflegediensten heutiger Zeit, hat sich ebenfalls Grundlegendes gewandelt. Sr.Margareta09Die gerechte Bezahlung dieses Dienstes ist bis heute eines der größten Probleme. Während die Gemeindeschwester von annodazumal eine Idealistin sein musste, die häufig noch mit Naturalien bezahlt wurde oder sich mit einem "vergeld's Gott" zufrieden geben musste, gibt es heute Leistungskataloge, nach denen ambulante Pflege abgerechnet wird. Dennoch ist die Unzufriedenheit der Pflegenden größer denn je. In keinem anderen Bereich fühlt man sich derart reglementiert und eingeengt, seit diese Art der Leistungsbemessung eingeführt wurde. Mit dem Terminplan im Nacken, hetzen die Pflegenden von einem Ort zum anderen, per Auto natürlich. Manchmal brauchen sie Ewigkeiten um überhaupt einen Parkplatz in der Nähe der Wohnung des zu Pflegenden zu finden, oder sie stehen vor verschlossener Tür, weil der Angehörige vergessen hat, den Schlüssel an vereinbarter Stelle zu hinterlegen. Gestresst und unter Zeitdruck, finden dann die Begegnungen mit dem Patienten statt, für mehr als das vereinbarte reicht es selten. Aktivierende Pflege steht allenfalls auf dem Papier. Tatsächlich kann man schon froh sein, wenn es gelingt die elementare Grundversorgung sicher zu stellen.

Diese Entwicklung hängt vor allem mit dem leistungsbezogenen Finanzierungssystem zusammen, sowie damit, dass wir nicht mehr in den Jahrhunderten leben, in denen Menschen aus reiner Nächstenliebe oder Freude am Beruf arbeiten. Pflegekräfte müssen nach Tarif bezahlt werden. Außerdem benötigen sie Autos, die angeschafft und unterhalten werden müssen. Häusliche Pflegedienste können unter diesen Umständen nur überleben, wenn jeder Mitarbeiter täglich ein hohes Pensum abrechenbarer Leistungen erbringt und um dieses erbringen zu können, bleibt für mehr keine Zeit. Ergebnis: Die Unzufriedenheit bei den Pflegenden wächst je mehr sie sich vom  Ziel, pflegeabhängigen Menschen ein menschenwürdiges Leben und Sterben zu gewährleisten, entfernen.

Dennoch sollte diese Entwicklung kein Grund sein, zu kapitulieren. Schließlich haben wir einen sozialen Beruf gewählt, einen Beruf der uns mit Menschen in Berührung bringt, denen es in der Regel schlechter geht als uns selbst. Wo gibt es in dieser Welt schon ideale Verhältnisse? Sind soziale Berufe nicht eigens da, um schlechte Verhältnisse verbessern zu helfen? Auch eine Mutter Teresa, fand keine idealen Arbeitsbedingungen vor und konnte nicht von einer angemessenen Honorierung ihrer Leistung ausgehen. Trotzdem ist sie ihren ungewissen Weg gegangen und daran weder körperlich noch seelisch zerbrochen. Im Gegenteil. Sie litt nicht unter Burnout, obschon sie keine geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten kannte und fast täglich vor einem Problem stand, für das von staatlicher Seite keine Lösung geplant war.

In unserer verhältnismäßig wohlgeordneten Gesellschaft ist man vergleichsweise verwöhnt. Hier rufen viele sofort nach übergeordneten Instanzen, wenn es irgendwo hakt und legen derweil die Hände in den Schoß. Und die Staatsführung lässt sich darauf ein. Sie lenkt an Stellen, die besser der Eigenverantwortung der Leistungsanbieter zugeschrieben worden wären.

Unser heutiges System fördert ein Denken in Euro und Minuten pro erbrachter Leistung. Es stellt die Leistung über das Ergebnis. Würde hingegen das Ergebnis in den Vordergrund gestellt, wäre die oben geschilderte Negativentwicklung in kurzer Zeit umzupolen, wobei zugleich Kosten eingespart werden könnte.

Adelheid von Stösser,  2004