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Fragwürdige Standards in der Pflege

Manch ein Fortschritt in der Medizin und Pflege erweist sich am Ende als Rückschritt!

Wer die rasante Entwicklung der vergangenen 30 Jahre in der Medizin hautnah miterlebt hat, reagiert eher skeptisch angesichts neuer Methoden. Denn die Einführung neuer Methoden bedeutet zunächst einmal Umstellung und Arbeit. Stets wird damit zugleich das bis dahin Praktizierte in Frage gestellt und somit auch Abwehrreaktionen ausgelöst. Wer will schon gerne hören, dass seine  bisherigen Bemühungen ungut waren. Altgewohntes muss aufgegeben werden, was leichter geschieht, je einleuchtender die Vorteile der Neuerung erscheinen. Hinzu kommt die Erfahrung, vor allem der älteren Dienstgrade, dass längst nicht jede eine wirkliche Besserung gebracht hat.

Wenn ich diese Zeit Revue passieren lasse und befragt werde, in welchem Bereich der gravierendste Wandel stattgefunden hat, fällt mir spontan die Geburtshilfe, sowie die Wochen- und Säuglingspflege ein. So erinnere ich mich noch sehr gut an meinen ersten Einsatz als Krankenpflegeschülerin im Säuglingszimmer, in dem durchschnittlich 20 Kinder von zwei Ordensschwestern (s. Foto 1970) und zwei Schülerinnen rund um die Uhr betreut werden mussten. Im Vierstundenrhythmus wurden reihum alle Kinder mit der Flasche gefüttert, gewickelt und wieder ins Bettchen gelegt. Zwischenzeitlich mussten in der sog. Milchküche die Fläschchen gespült, sterilisiert und individuell nach Gewicht und Alter des Kindes bereitet werden oder man war damit beschäftigt Körbe von Stoffwindeln, Jäckchen und Hemdchen zusammenzulegen und bei Bedarf zu flicken. Morgens um zehn brachte man die Kinder zu ihren Müttern auf die Station, dann durften diese ihr Neugeborenes selbst in den Arm nehmen und ihm die Flasche geben. Spätestens bis elf waren alle Säuglinge wieder eingesammelt, und von 15-16 Uhr hatten die Väter und andere Angehörige Gelegenheit ihr Kind zu sehen - allerdings nur durch eine Fensterscheibe in der Wand des Säuglingszimmers. Anfassen war nicht erlaubt. Wir alle fanden das damals völlig normal. Auch die Mütter regten sich darüber nicht sonderlich auf. Ihnen wurde gesagt, dass dies aus hygienischen Gründen notwendig sei und sie wollten schließlich ihr Neugeborenes nicht gefährden. Der geschickten Argumentation für die künstliche Babynahrung, wie sie jeder werdenden Mutter in den Werbeschriften von Milupa, Nestle etc., an die Hand gegeben wurde, ließ unweigerlich das Gefühl aufkommen, dass die schadstoffbelastete Muttermilch in der heutigen Zeit geradezu unverantwortlich sei. Und die abschreckenden Bilder einiger durch schwere Mastitis verunstalteten Brüste, taten das übrige stillwillige Frauen von diesem Vorhaben abzubringen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bestärkten Gynäkologen und Hebammen diese Haltung, die in allen Medien, Fachzeitschriften und Büchern, als die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sicherste Praxis dargestellt wurde. Als meine älteste Tochter 1973 (wenige Wochen nach dem Examen) geboren wurde, habe ich nur deshalb darauf bestanden, zu Stillen, weil es die einzige Möglichkeit war mein Kind öfter als einmal am Tag zu sehen; nicht aus der Überzeugung, Muttermilch sei wertvoller und der Kontakt für die Entwicklung des Kindes wichtiger. Heute fasst sich jeder an den Kopf der an diese Praxis zurückdenkt:

Wie konnte so etwas nur passieren?, fragen die Jüngeren.

Antwort: Hier wirkten Standards die dem damaligen medizinisch-wissenschaftlichen Stand entsprachen und als Fortschritt in der Geburts- und Neugeborenenmedizin gefeiert wurden.

Doch diese Praxis hielt sich kaum 10 Jahre. Die natürlichen Empfindungen und das Bedürfnis der Mütter nach Nähe waren stärker. Unterstützt von wenigen namhaften Geburtshelfern, die sich von den Hochglanzprospekten und fraglichen Forschungsergebnissen nicht hatten blenden lassen, suchten werdende Eltern nach Krankenhäusern in denen möglichst natürliche Bedingungen Dorothee begrüßt ihren Bruder am Tag nach der Geburtrealisiert wurden.Ab Mitte der achtziger hätte sich bereits keine Geburtshilfeabteilung mit der oben beschriebenen Praxis noch halten können. Die Bettchen standen nun im Zimmer der Mutter, und für das Stillen wurde regelrecht Werbung gemacht, nachdem Kinderärzte weltweit bekundeten, dass gestillte Kinder weit weniger krankheitsanfällig und verhaltensauffällig seien, als Flaschenkinder. (Foto 1990: vorsichtige Kontaktaufnahme am Tag nach der Geburt des Brüderchens, im Krankenhausbett der Mutter.)

In anderen Bereichen halten sich unsinnige, ja unmenschliche Standards hingegen sehr hartnäckig. Es kommen sogar laufend neue dazu. Vor allem betrifft dies den Bereich der Altersmedizin. Hier haben sich Praktiken eingebürgert die widernatürlicher kaum sein können. Weil es versäumt wurde ethisch-vertretbare Grenzen zu setzen, werden Leidenszustände solange als medizinisch machbar verlängert. Liegt keine eindeutige Willenserklärung, keine Patientenvollmacht vor, traut sich kaum ein Arzt, nichts zu unternehmen, wenn er die Möglichkeit hätte, den Tod um einige Tage und Wochen hinauszuzögern. Nicht minder verwerflich ist der Griff zum Rezeptblock bzw. Medikamentenschrank, weil für persönliche Zuwendung, Gespräche und Probleminterventionen keine Zeit ist. Diese Praxis hat u.a. zur Folge, dass Pflegekräften die Übung fehlt, unruhige Patienten, vor allem wenn sie alt und verwirrt sind, auf natürliche Weise zu beruhigen. Theoretisch ist den meisten klar, dass die üblicherweise eingesetzten Medikamente gegen Unruhe, Schlaflosigkeit, Depression oder Vergesslichkeit, auf Dauer eingenommen, in eine Situation führen die von allen Beteiligten als trostlos und deprimierend erlebt wird.

Im Unterschied zur Säuglingspflege, macht das " Waschen, Windeln und Füttern" alter Menschen keine Freude, mir ist jedenfalls noch keine Pflegekraft begegnet, die das mit Begeisterung getan hätte. Selbst eine bessere Bezahlung würde keine größere Freude bei der Ausführung dieser Tätigkeiten aufkommen lassen.

Doch gerade diese Pflegetätigkeiten sind es, die zunehmend größeren Raum eingenommen haben und weiterhin einnehmen werden - und dies vor allem, weil unsere körper- und pharmaorientiere Medizin Abhängigkeits- und Siechtumsprozesse in nie da gewesener Weise erzeugt. Die traurigen Resultate aktueller Standards in der Medizin, bevölkern unsere Altenheime, in Form: ausdrucksloser, willenloser, teilnahmsloser, antriebsloser Menschen, die medikamentös derart zugedröhnt sind, dass sie keine Zusammenhänge mehr erkennen, keine Ansprüche mehr stellen und möglichst wenig Arbeit machen.

Resümee aus der oben beschriebenen und anderen Erfahrungen:

Standards in Medizin und Pflege sollten sich mehr an der Natur des Menschen orientieren, und weniger an Trends oder einseitigen Forschungsergebnissen!